Die Philosophie der Stoa

Oder: Die Grundsätze besonnener Lebensführung

Seminar Wernberg
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Stoa ist die Philosophie die vom Menschen groß gedacht hat, die ihm zumutete, weise, besonnen und mit Würde zu leben. Ein stolzes Menschenbild prägte ihre Haltung. Nicht die Philosophie war ihnen wichtig, sondern philosophisch zu leben. Das macht ihre Aktualität aus, dass sie nicht an theoretischer Philosophie interessiert waren. So lautete einer ihrer dringenden Fragen nicht, was das Gute sei, sondern: „Wie werde ich gut?“ Oder das Denken und Leben in Einklang zu bringen sind. Das gilt damals wie heute. Schon gar nicht überholt ist, was die Stoiker für die eigentliche Frage der Philosophie hielten – und das ist: Was wesentlich, was wichtig ist und worauf es (letztlich) ankommt. Dazu kam der gelassen stolze Sinn, mit dem sie erklärten, es komme darauf an, vor uns selbst zu bestehen, nicht vor der Menge. „Sei dir darüber im klaren: sobald du achtest, wie du bei den Leuten ankommst, hast du allen Halt in dir verloren“ Epiktet

Wenn es um Fragen der Lebensführung geht, dann gilt in der Regel nicht der Standpunkt der großen Masse. Wir müssen also fragen, was zu tun das Beste, nicht was das Gebräuchlichste ist. Das öffentliche Gerede ist gewöhnlich populärer Unsinn. Seneca empfiehlt dazu: Lauf nicht nach der Art des Herdenviehs der vorauslaufenden Schar nach.“ Dann der strenge Grundsatz: „Nicht die Dinge selbst, sondern die Meinungen von den Dingen beunruhigen die Menschen.“ Wie: Leid, Sterben und Tod sind nichts Schreckliches, sondern nur die Vorstellung davon ist das Schreckliche? Dazu passt eine lakonische Sentenz des Plutarch: „Wie die Bienen Honig sammeln aus dem Thymian, dem herben, trockenen Kraut, so gewinnt der Weise oft aus den misslichsten Umständen Nützliches und Gutes.“

Wie aber kommt man mit dem stoischen Grundsatz „Gleichgültiges gleichgültig zu nehmen“ zurecht? Erinnert er nicht an die frühchristliche Devise:
„Habe, als hättest du nicht“? Leben, Gesundheit, Lust, Reichtum oder das Entgegengesetzte Tod, Krankheit, Schmerz, Armut das alles sei an sich gleichgültig? Leben oder Tod, darauf kam es den Stoikern nicht an. Worauf dann? Wie du lebst und wie du stirbst.

In der Stoa ist so radikal gedacht und gesprochen worden wie sonst nur in den Evangelien. Erfolg, Reichtum, Gesundheit mag gut sein, aber damit ist noch nicht ausgemacht, dass der Erfolgreiche, Reiche, Gesunde auch gut ist. Mit so schneidender Entschiedenheit wurde stoisch richtig gestellt, was uns in der Prosa des Alltagslebens allzu leicht aus dem Blick gerät. Schließlich der sperrige Grundsatz: „Wolle, was geschieht.“ Einverständnis mit dem Schicksal, JaSagen zu dem, was uns bestimmt, anerkennen, was geschieht, dem, was abverlangt wird, zuzustimmen lernen, das Unabwendbare und Notwendige lieben – die Einübung in diese Haltung, sei womöglich das Mark aller Philosophie. Für die moderne Welt soll alles so sein, wie wir es wünschen. Was nicht nach Wunsch ist, wird nach Wunsch geändert. Doch manchen in unserer Zeit ist die Sache nicht mehr geheuer. Nicht mehr alles scheint uns machbar, wie aber dann mit dem Schicksal oder dem Unverfügbaren umgehen?

Die Auskunft, die die Stoa gab, sollte sich unsere Zeit wieder gesagt sein lassen. Marc Aurels Sicht dazu war: Was geschieht ist Fügung, Weisung, Anspruch; was sich ereignet, wird uns zugemutet; was uns bestimmt ist, will vernommen und verstanden werden. Wir genügen unserem Schicksal, wenn wir mit unserem Leben die Antwort geben. Wenn es hart auf hart kommt, dann haben wir nichts vorzuweisen als uns selbst. Darin aber kommen wir zur Ruhe. Die Stoa ist unzeitgemäß und hat Vorurteile gegen sich. Aber ihre Haltung zum Menschen und zur Welt wäre das, was die Welt heute bräuchte.

„Senecas, Epiktets und Marc Aurels Gedanken sind die Wintersaat auf eine kommende Kultur“ Albert Schweitzer



Organisation und Kosten


Organisation:

Es sind keine speziellen Vorkenntnisse nötig. Die Veranstaltung beginnt am Mittwoch, 20.05. mit einem gemeinsamen Abendessen um 18 Uhr und endet am Sonntag, 24.05. nach einem gemeinsamen Frühstück. Seminarzeiten sind 9.30 bis 12.30 Uhr und 15.30 bis 18 Uhr. Abendlesungen und Diskussionen nach dem Abendessen. Am Freitag ist je nach Wetterlage eine Wanderung in der näheren Umgebung geplant.

Tagungsort:

Wir tagen im Bildungshaus Kloster Wernberg/Kärnten. www.klosterwernberg.at

Kosten:

Doppelzimmer je nach Kategorie EUR 229,60 bis 269,60
Einzelzimmer je nach Kategorie EUR 249,60 bis EUR 289,60
Preise sind inkl. 3x VP, 1x HP, Ortstaxe und pro Person

Zimmerreservierung und Auskunft

an der Klosterpforte, Tel. 04252/2216 Die Kosten für die Übernachtung, Voll- und Halbpension sind mit dem Kloster selbständig abzurechnen.

Seminarbeitrag:

€ 220/Person bis spätestens 30. April 2020 auf das Konto Rene Tichy
IBAN: AT 93 1200 0238 2888 5900
BIC: BKAUATWW

Anreise:

Wer möchte kann sich einer gemeinsamen Anreise anschließen, die am Mittwoch mittag mit dem Zug stattfinden wird. Bitte bei der Anmeldung bekanntgeben.