Religiös radikale Denker

Seminar Wernberg
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Ich habe mir eigentlich Unmögliches vorgenommen: In wenigen Tagen sechs der größten religiösen Denker vorzustellen. Mit jedem einzelnen von ihnen könnte man sich jahrelang beschäftigen und würde an kein Ende kommen. Aber es gibt spannende und hilfreiche Leitfäden, anhand derer man sich diesen sechs religiös radikalen Denker nähern könnte. Und genau dieses Verbindende über die Zeiten hindurch macht sie auch für uns lebendig und interessant.

Der dickste Leitfaden, der sich daher auch im Titel findet, ist ihre Radikalität. Radikale: Sie kommen in Umbruchszeiten. Umbruchszeiten begünstigen Radi- kale. Für sie gibt es keine Halbheiten. Sie setzen alles auf eine Karte, sie spitzen zu, sie tun das Eine, das Not tut. Neues Denken hat dann eine Chance zum Durchbruch zu kommen. Alle Radikale suchten eine lebendige Beziehung zu Gott, ließen sich persönlich ansprechen, und hatten Bekehrungs- oder Erweckungserlebnisse. Die Frage, wer bin ich denn eigentlich, ließ sie nicht los. Sie wollten das Religiöse philosophisch verstehen. Ihre Werke sind nicht von ihrer Person und ihrem Leben zu trennen. Sie waren Figuren voller enormer Widersprüche. All das ist typisch für Radikale.

Augustinus wollte wie kein anderer Gott erfahren. Er löste das antike stolze Menschenbild ab und instal- lierte ein demütiges. Damit eröffnete er ein melancholisches Jahrtausend und bescherte uns die Gedanken der Erbsünde, der Prädestination und der Gnadenlehre. Wie ist sein Satz: „Liebe und was du willst, das tu“, zu verstehen? Was hat es mit der nachhaltigen Doppelstaatsbürgerschaft auf sich?

Nikolaus von Kues, der „Reformator der Christen- heit“, ein unvergleichlicher Philosoph, wurde auf ge- radezu unheimliche Weise verges- sen. Seine Kernaussage: „Wir sehen die Welt nur dann richtig, wenn wir alles als Einzelnes sehen.“ Er mutet uns zu, alles von der Einheit her zu denken. Gott ist für ihn, wo alle Gegensätze zusammenfallen.

Meister Eckhart, „der Philosoph des Christentums“, versteht den Menschen als geistiges Wesen. Er war ein Vorläufer der Gesinnungs- ethik: „Nicht an das was man tut, soll man denken, sondern an das, was man sei.“ Und seine als häre- tisch ausgelegte Hauptaussage lautet: Der Mensch ist im Grunde seiner Seele Gott gleich. Wir sind eines Geistes mit Gott.

Für Luther war eine Frage zentral: Wie werde ich ein guter Mensch, der dann gute Werke tut? Mit dem großen Reformator ist die Freiheit zur innersten Angelegenheit der Re- ligion geworden. Was sind die Vor- züge, aber auch die Verhängnisse der Reformation?

Blaise Pascal, ein erstaunliches Genie, bekannte, das in den wich- tigsten Fragen die Vernunft nicht mitzureden habe. Er zeigt auf, was es heißt, mit dem Herzen zu denken. In seiner berühmten Wette will er den Beweis antreten, dass es ver- nünftig ist, an Gott zu glauben. Er erkannte als einer der ersten die Problematik des aufgeklärten Denkens.

Schließlich Kierkegaard, wiederum ein eigener Kosmos. Dichter, Beter, Denker, Beunruhiger und Tröster: Nur religiös stellt sich die notwen- dige Distanz zum Zeitalter ein. Die Religion müsse aber selbst zeit- geistresistent sein. Kierkegaard ver- sucht sich an der Frage: Wie und warum hat der Mensch religiös zu werden? Er entwickelt seine Gedanken von der ästhetischen, ethischen und religiösen Existenz.

Soviel sei hier nur angerissen. Wir werden uns von dem unvergleichlichen Reichtum an Gedanken dieser sechs bekennenden Geistesriesen anregen lassen, in einigen ihrer Texte lesen, an ihrem Leben teilnehmen, und (hoffentlich) merken, wie lebendig diese radikalen Denker heute noch sind.

Organisation und Kosten


Organisation:

Die Veranstaltung beginnt am Mittwoch, 24. Oktober mit einem gemeinsamen Abendessen um 18 Uhr und endet am Sonntag, 28. Oktober nach einem gemeinsamen Frühstück. Seminarzeiten sind 9.30 bis 12.30 Uhr und 15.30 bis 18 Uhr. Abendlesungen und Diskussionen nach dem Abendessen. Am Freitag ist je nach Wetterlage eine Wanderung in der näheren Umgebung geplant.

Tagungsort:

Wir tagen im Bildungshaus Kloster Wernberg/Kärnten. www.klosterwernberg.at

Kosten:

Doppelzimmer je nach Kategorie EUR 222,20 bis 262,20
Einzelzimmer je nach Kategorie EUR 242,20 bis EUR 282,20
Preise sind inkl. 3x VP, 1x HP und pro Person

Zimmerreservierung und Auskunft

an der Klosterpforte, Tel. 04252/2216 Die Kosten für die Übernachtung, Voll- und Halbpension sind mit dem Kloster selbständig abzurechnen.

Seminarbeitrag:

€ 220/Person bis spätestens 12. Oktober 2018 auf das Konto Rene Tichy
IBAN: AT 93 1200 0238 2888 5900
BIC: BKAUATWW

Anreise:

Wer möchte kann sich einer gemeinsamen Anreise anschließen, die am Mittwoch mittag mit dem Zug stattfinden wird. Bitte bei der Anmeldung angeben.