Philosophische Seelsorge - Philosophie als Lebensform

11.-16. Februar 2014, Seminarzentrum des Klosters Schlägel im Mühlviertel

„Frei ist, wer der Knechtschaft des eigenen Ich entronnen ist. Sich selbst versklavt zu sein ist die schlimmste Knechtschaft.“ (Seneca) „Wie die Bienen Honig sammeln aus dem Thymian, dem herben trockenen Kraut, so gewinnt der Weise oft aus den misslichsten Umständen Nützliches und Gutes.“ (Plutarch)

Mit Führungen und Besichtigungen des Klosters und der einzigen Brauerei Österreichs, sowie Ausflügen und Wanderungen in die Region Böhmerwald. Details zu Kosten und Terminen entnehmen Sie bitte dem Infofolder.

In der komfortablen Ruhe und Abgeschiedenheit des Klosters Schlägl werden wir uns der Philosophischen Seelsorge und der Philosophie als Lebensform widmen. Es wird dabei nicht um gelehrte akademische Philosophie gehen, sondern um Philosophie in ihrer praktischen Form. Mit dem Urahn Sokrates begann die Philosophie mit dem Ereignis einer Person und nicht mit einer Lehre. Von Anfang an wurde daher die Philosophie mit ärztlicher Kunst verknüpft: Philosophie als ärztliche Seelsorge. Kein theoretischer Diskurs, sondern Leben und Denken sollte in Übereinstimmung gebracht werden. Das Leben sollte bedacht werden.

Die Philosophie stellt sich in ihrer praktischen Form als eine Lebensform, eine Lebenskönnerschaft, dar – seit Sokrates. Verschiedene philosophische Lebensformen entwickelten sich bereits in der Antike: Die lebensanweisenden Stoiker, die genießenden Epikuräer, die asketischen Kyniker, die heiter-gelassenen Skeptiker, oder die praktischen Erkenntnisse eines Platon oder Aristoteles.

Philosophische Seelsorge und Philosophie als Lebensform überlebte auch im Mittelalter, als meditative Praxis in Klöstern oder im Gewand der Mystik: Franz von Assisi, Meister Eckhart, Johannes Tauler. In der Renaissance war es Montaigne, der die antike Einheit von Leben und Lehre wiederherstellte. Von nun an galt es, zu bedenken, wie man lebt. Im 17. Jahrhundert waren es die französischen Moralisten, die über das Wesen des Menschen nachdachten, frühe Menschenkenner, die Fragen der Lebensführung thematisierten.

Außerakademisches Philosophieren mit lebensdienenden Charakter ist auch mit den drei Großen Kierkegaard, Schopenhauer und Nietzsche verbunden. Im 20. Jahrhundert waren es schließlich der späte Wittgenstein, Pierre Hadot, Paul Feyerabend und der späte Foucault, die an die Tradition der Philosophie als Lebensform anknüpften. An die genannten und viele andere schließt Philosophische Seelsorge und Philosophie als Lebensform an.

Philosophische Seelsorge meint „Sorge um die Seele“, Herausbildung des eigenen Selbst. „In sich selbst wohnen“ oder „sich zu sich selbst umwenden“ ist Selbstsorge, die nichts mit Narzissmus, Egoismus oder zeitgeistiger Selbstverwirklichung zu tun hat. Im Mittelpunkt steht die Ausbildung von Haltungen, Tugenden und Maßstäben, um mit Leiden, Sorgen, Problemen, Alter und Tod anders umgehen zu können. Es geht darum, ein Verständnis für das eigene Leben zu bekommen. Probleme, Sorgen und Nöte werden mit einer Intensität weitergedacht und damit verwandelt. Meinungen werden überprüft, andere Gedanken, Perspektiven, Orientierungen und Haltungen erörtert. Deuten und aufklären stehen im Vordergrund.

Der Gang durch eine Fülle vom unterschiedlichsten Philosophen wird unser Selbstverständnis fördern, gleichzeitig arbeiten wir an der eigenen Haltung und an den eigenen Einstellungen. Wir machen uns mit anderen Denkungsarten vertraut und stärken das Selberdenken. Das heißt ernst nehmen der Philosophie. Wir werden erörtern, was Philosophie als Lebensform heute bedeuten kann. Wie man zum Beispiel im hektisch überdrehten Weltlauf zu Ruhe und Gelassenheit kommt, wie wichtig oder unwichtig Glück ist, was vernünftig leben heißt usw. Die zentrale Frage wird sein, worauf es in meinem Leben ankommt, wie man gelungen lebt, wenn man nicht mehr an den Pathos der Religion, aber auch nicht mehr an den Pathos der Aufklärung und den Fortschritt glaubt. Wir werden uns ansehen, was ein Philosophisches Weltbild von einem christlichen und von einem zeitgemäßen Weltbild trennt, und wie die unterschiedlichen Menschenbilder dabei aussehen.

In der Philosophischen Seelsorge und Philosophie als Lebensform geht es um die Erkenntnis, das Leben nur gelingen kann, wenn es geführt, gemeistert und bestanden wird. Wie ist das zu erreichen? Nicht durch Belehrung und Besserwisserei, sondern durch Gestalten, Geschichten, Beispiele und Erzählungen – durch Vorbilder: Wir lernen zu leben von denen, die vorzüglich lebten. Diese zeigen uns die Spur der Lebenskönnerschaft.