Was ist ein gebildeter Mensch?

Diskussionsabend am Freitag, den 24.09.2021
von 19:00 bis 21:00 Uhr

Was ist ein gebildeter Mensch?

„Wehe, wehe, über die Tagespresse! Käme Christus heute in die Welt: so wahr ich lebe, er nähme sich zum Ziel nicht die Hohepriester – sondern die Journalisten.“ (Kierkegaard)

 „Noch ein Jahrhundert Zeitungen – und alle Worte stinken“ (Nietzsche)

 Kierkegaard und Nietzsche erkennen den gebildeten Menschen auch daran, dass sie, gewissermaßen instinktiv, die Presse verabscheuen. Wir sagen heute elektronische Medien dazu. Beide hatten noch das feine Ohr, das aus dem Wort Zeitung „Zeit“ und „Journalismus“ „le jour“ heraushörten. Bildung dagegen strebt seit jeher über den Tag und Stunde hinaus. Sie atmete und atmet stets den Geist der Jahrhunderte, der Zeitalter, wenn nicht den der Weltalter.

Was passiert, wenn sich Bildung in den Dienst der Wissenschaft stellt? Bildung untersteht dann dem Spezialisierungszwang. Es entsteht der exklusive Fachgelehrte, der sich an seine Gegenwart und deren Fragen und Antworten versklavt. Damit wird das Diktum von Nietzsche unterlaufen, der gemeint hat, der Gebildete brauche „zuallererst vor einem Ruhe: vor allem Heute.“ Er habe sich Ruhe vor der „Tyrannei des Heute“ zu bewahren. Bildung im eigentlichen Sinn hat weder im Dienst der Wissenschaft, noch auch im Dienste des Staates, noch im Dienste der Wirtschaft zu stehen. Mit Bildung ist aber auch nicht die Aneignung von bloßem Wissen gemeint, sondern das Erwerben einer Haltung, die Entwicklung einer freien Persönlichkeit. So eine freie Persönlichkeit hätte über alle guten Eigenschaften zu verfügen, die wir traditionellerweise die Tugenden nennen. Das neue Wort für Bildung wäre dann: Lebenskönnerschaft.

 

 

 

 

Kosten: 15,- Euro

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