Als die Herrscher weg waren, kamen die Führer

Diskussionsabend am Donnerstag, den 11.07.2019
von 20:00 bis 22:00 Uhr

Die Herrschaft hat seit der Französischen Revolution an Ansehen verloren. Napoleon war die letzte Wiederkehr des Herrschers. Dann kamen im 20. Jhdt. die Führer: Mussolini, Franco, Stalin, Ceausescu, Mao, Fidel Castro und Hitler. Im 21. Jhdt. erleben wir eine Wiederauferstehung der Führer. Diese Karriere stimmt bedenklich. Führer - ein belasteter Begriff -, der dennoch geradezu inflationär verwendet wird: Wir haben Parteiführer, Wirtschaftführer, Bergführer, Hundeführer, Reiseführer, Führungskräfte. Führer war ehedem (siehe Lexikon) als dienstbarer Geist gedacht, der die Geführten dorthin führt, wohin sie wollen. Die Legitimation kam aus der Zustimmung der Geführten. Auch die Demokratie folgt dem Prinzip der Erfüllung der Wünsche des Volkes und damit dem Prinzip des Führers. Aber sind diese Wünsche auch immer vernünftig? Unpopuläre, jedoch gute und gerechte, Entscheidungen, waren die Legitimation der alten Idee der Herrschaft. Führer biedern sich dem Volk an, sie sind Verführer. Die Demokratie hat einen Nachteil: Sie kann die Herrschaft nicht ganz abschaffen, aber auch nicht zur Herrschaft erziehen. Wir sind in einer Übergangsphase gefangen. Spaemann spricht von der „Utopie der Herrschaftsfreiheit“ und erinnert an die legitimierte Herrschaft, die für Gerechtigkeit und das Gemeinwohl zu sorgen hatte. Habermas versucht die nicht mehr zu rechtfertigende Herrschaft mit seiner Diskursethik und Einigung auf einen Konsens zu lösen. Ein scheinbarer Ersatz der Herrschaft?!

Kosten: 15,- Euro

zurück zur Liste | Teilnehmen!