Stolz und Einsicht: Die Größe des Philosophen Seneca

Diskussionsabend am Donnerstag, den 25.04.2019
von 20:00 bis 22:00 Uhr

An der Spätstoa, deren wichtigster Vertreter Seneca war, kann ein untergegangenes Weltbild aufgezeigt werden. Es ist das stolze Menschenbild, das behauptet, der Mensch könne sein Leben aus eigener Kraft führen und selbst verantworten. Der Mensch war in dieser Vorstellung das sich selbst verdankende Wesen, im Unterschied zum aufkommenden Christentum, in der der Mensch auf die Gnade und Barmherzigkeit eines Gottes verwiesen wurde und damit ein demütiges Menschenbild begann.

Zwei Weltbilder prallten in der Zeit Senecas aufeinander, der um dieselbe Zeit geboren wurde, wie derjenige, den die Christen später Erlöser nannten. Das Christentum setzte sich durch, die Stoa ging unter, wie wir alle wissen. Interessant aber die Gedanken von Albert Schweitzer, der in seiner „Kultur und Ethik“ schrieb:

„Senecas, Epiktets und Marc Aurels Gedanken sind die Wintersaat auf eine kommende Kultur.“

Die Stoa hat im äußersten Sinne groß vom Menschen gedacht. Kant sprach von einer „Überforderung des Menschen“ und von einer „Hoheit und Stärke der Seele, bei welcher man alle Annehmlichkeiten des Lebens entbehren könnte.“ Und er sprach ihr die „erhabenste Gesinnung zu, die je existierte und sich entwickelte.“ Darin zeigte sich die Würde des Menschen. Schopenhauer sah in ihr „die vollkommenste Entwicklung der praktischen Vernunft.“

Lassen wir zum Abschluss Seneca selbst zu Wort kommen:

„Prüfe, ob du nicht nur im philosophischen Studium, sondern auch im philosophischen Leben vorangekommen bist. Das Wesen der Philosophie liegt nicht im Wort, sondern in der Handlung, sie formt und bildet den Geist, ordnet das Leben, regelt unsere Handlungen, zeigt, was zu tun und zu lassen ist, sitzt am Steuerruder und lenkt das Schiff durch die Wellen. Ohne sie kann niemand ohne Zagen und Sorgen leben.“

Klingt pathetisch und anmaßend. Aber was haben wir stattdessen? Was ist die Alternative zu einer solchen Philosophie? Einstmals war es die Predigt. Doch diese Zeit scheint ebenfalls vorbei zu sein. Sind die beiden erhabensten Weltbilder, die das Abendland hervorgebracht hat, außer Kraft gesetzt?

Kosten: 15,- Euro

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