Verzeihen lässt „die Wunden des Geistes heilen, ohne dass Narben bleiben“ (Hegel, Phänomenologie des Geistes)

Diskussionsabend am Freitag, den 29.03.2019
von 19:00 bis 21:00 Uhr

Das Verzeihen ist mit dem Christentum in die Welt gekommen. Hannah Arendt schreibt in ihrer „Vita activa“ von der „Unwiderruflichkeit des Getanen und der Macht des Verzeihens“: „Das Heilmittel gegen die Unwiderruflichkeit alles Handelns, dagegen, dass man Getanes nicht rückgängig machen kann, liegt in der Fähigkeit zum Verzeihen.“ Erstaunlich genug, dass sie als Jüdin darauf hinweist, dass das Verzeihen durch Jesus von Nazareth in die Welt kam. Sein Sündenvergeben war damals der größte Skandal, davon zeugen viele Geschichten der Evangelien.

Sie weist darauf hin, dass Verzeihen eine Vorleistung ist: „Der Herr wird euch vergeben, weil ihr vergebt habt.“ Verzeihen ist notwendig, weil wir niemals die Konsequenzen unseres Handelns und Unterlassens überschauen können.

Verzeihen ist natürlich auch ein philosophisches Thema. Derrida, Spaemann und Hegel dachten darüber nach. Für Hegel ist das Verzeihen die letzte und oberste Stufe des Geistes. Es sollte „die Wunden des Geistes heilen, ohne dass Narben bleiben.“ Verzeihen geht über alle Moralität hinaus, oder ist zumindest verfeinerte Ethik. Das erkannte auch Albert Schweitzer in seiner „Kultur und Ethik“: Wir müssen verzeihen, wenn wir wahrhaftig gegen uns selbst sind. Ich muss Verzeihen üben, weil ich im Nichtverzeihen unwahrhaftig gegen mich selbst würde.“

 

Kosten: 15,- Euro

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