H. von Hofmannsthal: "Chandos-Brief

Diskussionsabend am Donnerstag, den 26.04.2018
von 20:00 bis 22:00 Uhr

Hofmannsthal schrieb diesen erfundenen Brief 1902. Er wird einerseits als „Gründungsurkunde der modernen Literatur“ und andererseits als „heillos konservativ“ bezeichnet. Dieser Widerspruch liegt in der „morbiden Zeit“ (Hermann Broch) selbst begründet, in der Hofmannsthal lebte. In der Zeit der untergehenden Monarchie, in der alles zur Fassade und Dekoration verkommen war. Aber es war auch eine Zeit höchster geistiger Bewegungen: Bruckner, Mahler, Schnitzler, Grillparzer, Wittgenstein, Kokoschka, Schiele, Kafka, Musil, Roth, Zweig, Rilke…um nur einige zu nennen, waren Zeitgenossen Hofmannsthals. Aber diese großen Geister standen auch auf verlorenem Posten. Aussichtslosigkeit machte sich breit.

Hofmannsthal hatte ein andere Moderne im Kopf als diejenige kalte, rationale, nüchterne Moderne, die ihren Siegeszug antrat.

Der Brief schildert die Verfassung eines alteuropäischen Bewusstseins, aus dessen Geborgenheit der Briefschreiber Lord Chandos herausgefallen ist. Kraftlosigkeit und  Kleinmut bleiben über. Alles ehemals Große entzieht sich: Die Seele, der Geist, das Wesen des Menschen. Der Brief schildert eindrücklich, wie die Macht eines abstrakten Denkens über die Welt kommt. Hofmannsthal aber steht für eine Welt, die mit dem Menschen verbunden bleibt. Er träumt von einer Moderne, die uns (hoffentlich) noch bevorsteht. Das macht ihn so aktuell für uns.

Kosten: 15,- Euro

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