Aphorismen - Ausdrucksformen der Philosophie von Außenseitern

March 2017

Aphorismen – Ausdrucksformen der Philosophie von Außenseitern

 

„Auch im Dunkel der Nacht bewegen wir uns doch um die leuchtende Sonne“

(Hans Kudszus)

 

„Die Philosophie hebt, wie die Ouvertüre zum Don Juan, mit einem Mollakkord an“

(Arthur Schopenhauer)

 

„Das Seltsamste an einem Menschen ist, dass es ihn gibt“ (Hans Kudszus)

 

„Trost zu spenden vermag selbst der Liebende nicht; er vermag aber mehr: Trost zu sein.“ (Hans Kudszus)

 

„Jedermann klagt über sein Gedächtnis, niemand über seinen Verstand“

(La Rochefoucauld)

 

„Der Verstand passt sich der Welt an; Weisheit sucht Einklang im Himmel“ (Joubert)

 

„Was nicht religiös ist, ist nicht interessant“ (Nicolas Gomez Davila)

 

„Zu denken wie unsere Zeitgenossen ist das Rezept für Wohlstand und Dummheit“ (Nicolas Gomez Davila)

 

„Wissenschaft löst, Philosophie bewahrt Probleme“ (Hans Kudszus)

Pascal, die französischen Moralisten, Arthur Schopenhauer, Nietzsche, Gomez Davila, Hans Kudszus um nur die wichtigsten zu nennen: Sie alle sind Philosophen, die über das Wesen des Menschen nachgedacht haben, die sich als Menschenkenner verstanden haben und als solche angesehen wurden, und die die Fragen der Lebensführung thematisierten – weshalb sie zu den Vorläufern der Philosophischen Praxis zu zählen sind. Sie äußerten sich weitestgehend durch Aphorismen. Was ist ein Aphorismus? Fragen wir einen, der es wissen musste, Hans Kudszus: „Jeder Aphorismus ist das Amen einer Erfahrung.“ Er ist also eine verarbeitete Erfahrung, eine Zustimmungserklärung. Der Aphorismus nimmt Stellung, er ist das Amen zu und aus einer Erfahrung. Das Schöne an manchen Aphorismen: Von ihnen geht die Nötigung zum Denken aus. Sie stoßen einen Gedanken nur an, ohne ihn uns vorzukauen. Das haben sie dann mit klugen und gut komponierten Witzen gemeinsam.

Aphorismen sind eine Ausdrucksform der Philosophie. In ihnen bedenkt sich das Denken selbst, ist das Denken bei sich selbst. Der Aphorismus richtet sich also gegen die Gedankenlosigkeit, gegen die Routine des Denkens.

Es ist interessant, dass alle jene Philosophen, die sich dieser Ausdrucksform bedienten, in gewisser Weise Außenseiter im philosophischen Betrieb waren oder sind. Das drückt besonders der folgende Aphorismus aus:

„Das Beste an zwei Stühlen ist, dass man zwischen ihnen sitzen kann“ (Hans Kudszus)

Der Aphoristiker sitzt zwischen den Denksystemen, er sucht keine Sicherheit, ist in der Regel ein eigensinniger Quergeist. Oft sind es Melancholiker, Lebensentfremdete, die eine Mischung von Trauer und Frömmigkeit an sich haben. Auf alle Fälle befinden sie sich jenseits aller Illusionen. Humor spielt eine wichtige Rolle. Ein Ausdruck von Lebenskönnerschaft, um mit den Widrigkeiten des Lebens umzugehen. Ein Beispiel:

„Ab und zu so etwas wie Gesundheit kann keiner Krankheit ernsthaft schaden“

(Hans Kudszus)

 

Man muss aber acht geben, dass man sich von Aphorismen nicht täuschen lässt. Nicht wenige beherrschen die Kunst, uns zu überrumpeln, und unseren kritischen Verstand auszuschalten. Daher kommt die Bemerkung eines französischen Moralisten recht, der meint:

„Es gibt gut eingekleidete Dummheiten, wie es sehr gut angezogene Dummköpfe gibt“ (Chamfort).

 

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