Nicolas Gomez Davila: Ausnahmephilosoph

November 2014

„Sinnlich, skeptisch und religiös, das wäre vielleicht keine schlechte Definition dessen, was ich bin“ (Gomez Davila)

Auf Gomez Davila trifft zu, was Heidegger in einer Vorlesung über das Leben des Aristoteles sagte: „Er wurde geboren, arbeitete und starb.“ Tatsächlich war das Leben dieses Einsamen, der als „Einsiedler am Rand der bewohnten Erde“ (Kolumbien) von 1913-1994 lebte, nicht reich an äußeren Ereignissen. Er widmete sein Leben fast ausschließlich seiner Familie und dem Lesen, Denken und Schreiben in seiner Bibliothek. Sein Werk, das er selbst nur in Privatdrucken herausgab, besteht nur aus kurzen Bemerkungen, Sprüchen und Aphorismen. Aber die haben es in sich. Sie elektrisieren, überraschen, verführen und können einen sprachlos machen.

Botho Strauß schrieb über Gomez Davila:

„Ich möchte doch, dass diese eine und einzige Stimme, einzige überzeugende der scharfsinnigen Gläubigkeit und Gegenmoderne in unseren Tagen gehört wird.

Man mag es zusehends spüren, welche Anziehungskraft von einem Denken ausgeht….“

Die Haltung zu seiner Arbeit zeigen beschreiben folgende Sätze:

„Der Schriftsteller, der seine Sätze nicht gefoltert hat, foltert den Leser“, oder

„Der Satz muss die Härte des Steins und das Zittern des Zweiges haben.“

Jeder kurze Aphorismus ist das Ergebnis einer langen Gedankenarbeit und eines impliziten Textes, den uns Gomez Davila aber nicht serviert. Vor uns liegen Gedanken in knappsten Darstellungen – mit immensen Entfaltungsmöglichkeiten. 

Immer wieder greift Gomez Davila in seinen Texten die Moderne mit einer Wucht und Totalität an, die an Nietzsche erinnert. Alle ihre sozialen und politischen Errungenschaften kritisiert er in ihren Grundprinzipien. Er stellt sich gegen das so frei dünkende Individuum. Fortschritt und Technik finden vor ihm keine Gnade. Seine Kritik ist frei von aller Dogmatik, erfrischend und im besten Sinne aufklärend.

Aber alle Skepsis und aller Zweifel haben nur den einen Zweck, zu dem zu führen, worauf es Gomez Davila letztendlich ankommt: Auf das Evidente, Prinzipielle und nicht Bezweifelbare hinzuweisen. Sein Skeptizismus verwirft nicht jedes Prinzip:

„Alle echte Philosophie wird gegen den Skeptizismus und mit seiner Hilfe gestaltet.“    Gomez Davila denkt nicht für oder gegen unsere Zeit, sondern außerhalb von ihr:

„Wo Einmütigkeit herrscht, sind Befürchtungen und Misstrauen angebracht.“

„Für das Wichtige gibt es keine Beweise, nur Zeugnisse.“

„Was nicht religiös ist, ist nicht interessant.“

„Aktualität bedeutet den Gipfel des Unbedeutenden.“

„Zuerst befreit jede Erfindung, dann versklavt sie.“

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