Worauf es ankommt

April 2014

 

Auch der Philosophische Praktiker darf sich nicht anmaßen zu wissen, worauf es im Leben ankommt. Aber er hat mächtige Gestalten und Vorbilder an der Hand, die durch ihre Beispiele und ihre Lebensgeschichten Winke und Hinweise geben, was darunter verstanden werden könnte. Insofern stehe ich auf mächtigen Schultern, was bei diesem nicht gerade bescheidenen Thema auch notwendig ist.

Die Frage, worauf es ankommt, ist die eigentliche philosophische Frage. Diese Frage kann nicht durch Wissen und Können allein beantwortet werden, sondern nur der eigene Lebensweg, auf dem ich mich zu bewähren habe, kann Antworten geben.

Wittgenstein schreibt am Ende seines Tractatus:

„Wir fühlen, wenn alle möglichen wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt sind.“

Die Frage worauf es ankommt sind Fragen der Lebensprobleme und diese sind nicht durch einen viel wissenden Kopf, sondern mit uns selbst zu beantworten. Eine Haltung beispielsweise zu erwerben, die es uns erlaubt abzuwägen, worauf es im Leben ankommt. Einen ersten Hinweis gibt uns Sokrates in seiner Apologie:

„….du schämst dich nicht, dich darum zu kümmern, wie du zu möglichst viel Geld und wie du zu Ehre und Ansehen kommst, doch um Vernunft und die Wahrheit und darum, dass du eine möglichst gute Seele hast, kümmerst und sorgst du dich nicht?“

Sokrates ist der Mann, dem es um die Sorge um die Seele geht. Er machte damit darauf aufmerksam, dass das Wertvolle für nichts geachtet wird, aber viel Geschrei um Nichtigkeiten gemacht werden. Nicht was die Leute wollen, sondern, was ein Gott ihm auftrug, darauf kam es Sokrates an. Was kann das für uns heißen? Von Sokrates bis zu einer Mutter Theresa könnte man antworten: Nicht das es uns gut geht ist wichtig, sondern das wir gut sind. Diese Haltung ist seit Sokrates in der Welt: „Unrecht tun ist schlimmer, als Unrecht leiden.“ Eine unglaubliche Provokation, und doch Credo aller Widerstandskämpfer bis heute.

Kierkegaard beispielsweise steht in der Tradition des Sokrates, wenn er auf die Notwendigkeit hinweist, unsere Seele zu erwerben. Bei Nietzsche liest es sich so: „Werde, der du bist.“ Bei Goethe: „Was du von deinen Erben hast bekommen, erwirb es, um es zu besitzen.“ Dabei war immer klar: Wer sich auf den Weg macht, seine Seele zu erwerben, gerät im Widerspruch zur Welt, aber auch zu sich selbst. Wenn die dadurch entstehende Unruhe, die einen dann erfasst, weder wegtherapiert, noch weggecoacht wird, dann entstünde die Chance, sich auf die Spur zu kommen und seiner Bestimmung gemäß zu leben.

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