Die Kultur der Wiener Salons

March 2014

Salons sind „Zusammenkünfte des vernünftigen Teils der Stadt“, meint der Aufklärer Joseph von Sonnenfels. In Wien entsteht das Salonleben in den 70er-Jahren des 18. Jahrhunderts. Ursprünglich eine Sache des Adels wird es im Gefolge der Aufklärung zu einer Sache des gehobenen Bürgertums. Vorwiegend Frauen versammelten in den Salons die geistigen Größen der Zeit: Künstler, Dichter, Schauspieler, Maler, Komponisten, aber auch Politiker, Philosophen und Wissenschaftler.

Die Salons waren Folge einer Mentalitäts –und Gesinnungsrevolution, einer neuen Geisteshaltung. Es waren halb privat und halb öffentliche Treffpunkte der zwanglosen Geselligkeit. Die Frauen, die die Salons führten, von Charlotte Greiner über Fanny von Arnstein, Josephine von Wertheimstein, Berta Zuckerkandl und Alma Mahler-Werfel, schufen Orte der Freiheit, in denen über alle interessanten Themen ohne äußeren Zwang gesprochen werden konnte. Geselligkeit wurde um ihrer selbst willen gepflegt. Die Salonieren, waren Frauen von Geist, Geschmack, Liebenswürdigkeit, Herzensgüte, und Begeisterungsfähigkeit für alles Große in Kunst uns Leben. Sie bestachen durch ihre Fähigkeit des Zuhörens und den Adel ihrer Haltung und Gesinnung. Adalbert Stifter, oft Gast im Salon von Henriette Pereira (1780-1859) bemerkt dazu: „Als Zwang und Regel herrscht nur die, die jedem sein Takt und Zartgefühl von selbst auflegt, und in dieser Hinsicht wirst du bemerken, wie es jedem der Anwesenden ist, als fühle er sich durch sanfte, linde Fäden angeregt, aber nicht gebunden. Dafür ist es aber auch eine Auszeichnung, in diese Gesellschaft geladen zu werden.“

Und Hugo von Hofmannsthal schreibt beim Tod  von Josephine von Wertheimstein:“ Sie war ein wunderbares Wesen. Sie kannten sie zu wenig. Sie können nicht ahnen, wie viel unendliche Schönheit da für immer weggegangen ist.“

Die Salons waren schon damals Kulturinseln in einer immer hektischer werdenden Gesellschaft. Schleiermacher, selber Gast in mehreren Salons lieferte die entsprechende „Theorie des geselligen Betragens“, die zu dieser besonderen Institution passte: „Eine freie, durch keine äußeren Zwecke gebildete Gesellschaft, wird von allen Gebildeten gefordert. Dies ist ihr edelstes Bedürfnis.“ Die Salongesellschaft war keinem Zweck unterworfen, sie waren dem engen beruflichen und häuslichen Kreis enthoben. Man bildete sich untereinander, es herrschte ein freies Spiel der Gedanken und Empfindungen. Der Mensch in seiner Individualität und Eigentümlichkeit war gefragt, und sollte doch zu einem Ganzen der Gesellschaft beitragen. Die Tugend des geselligen Betragens sollte jedem Thema einen originellen Gesichtspunkt abgewinnen.

Die Philosophische Praxis sieht sich in diesem Sinne als Erbe der Salonkultur. Heute braucht es wieder einen Raum der Geselligkeit, der frei ist von materiellen und ideologischen Interessen. Geselligkeit um ihrer selbst willen.

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