Taugt Philosophie fürs Leben?

August 2013

Philosophie ist seit langer Zeit eine akademische Disziplin, in der sich Experten, Fachmenschen und Professoren tummeln. Das ist auch gut so. Aber Philosophie war immer auch schon eine Disziplin, die keine Disziplin war. Denken wir an Sokrates, das Urbild der Philosophen. Er war kein Lehrstuhlinhaber und hat sein Leben lang Gespräche mit Laien über Fragen des Lebens geführt. In der gesamten Antike wurde die Philosophie als Angelegenheit des Lebens betrachtet.

Die bedeutendsten Philosophen der Neuzeit, wie z.B. Pascal, Montaigne, Spinoza, Schopenhauer, Kierkegaard, Nietzsche und Wittgenstein bewegten sich außerhalb der Universitäten, philosophierten im Gegensatz zu einer Professoren-Philosophie. Aber ist die Philosophie außerhalb der Universitäten überhaupt ernsthafte Philosophie?  Ernsthafte Philosophie ist doch die von soliden Institutionen oder philosophischen Gesellschaften, die in philosophischen Fachzeitschriften veröffentlicht wird. Was ist eigentlich ernsthafte Philosophie?

Ernsthafte Philosophie ist eine solche, die fürs Leben taugt, die sich mit Fragen beschäftigt, die man nicht abweisen kann, die diesen Fragen aber trotzdem nachgeht. Ernsthafte Philosophie bringt keine ernsthaften Resultate, sondern nimmt die Fragen und Probleme ernst, die von den meisten Menschen nicht ernst genommen werden. Sie beschäftigt sich mit ernsthaften Fragen, die vielleicht nicht alle interessieren, die aber alle Menschen angehen: Was ist ein gutes, gelungenes Leben? Was ist ein Vorbild? Was ist Gerechtigkeit? Worauf kommt es im Leben eigentlich an? Gibt es ein Schicksal? Wie geht man mit Ungerechtigkeiten um? Ist mein Leben eigentlich mein Leben? Alles das sind Beispiele von ernsthaften Fragen, lebensentscheidende Fragen, die gerade in der Gegenwart sehr drängend geworden sind.

Jeder Mensch gestaltet sein Leben nach gewissen Maximen und Gesichtspunkten, aber oft sind wir unserer eigenen „Lebensphilosophie“ nicht bewusst, aber sie hat Auswirkungen auf unser Leben.

Philosophie, die fürs Leben taugt, stellt sich Fragen, die uns in Frage stellen. Philosophen, die sich diesen Fragen stellen, sind riskante Denker, freie Geister, und unbequeme Zeitgenossen. Das Licht einer solchen Philosophie brennt seit Sokrates außerhalb der Akademien. Dieses Licht wird von Philosophen weiter getragen, die  bereit sind, sich respektvoll zu überfordern.

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