Wer ist eigentlich Philosoph?

„Ich mache mir aus einem Philosophen gerade so viel als er im Stande ist ein Beispiel zu geben“ (Nietzsche)

Wen kann der Gast der Philosophischen Praxis erwarten ? Natürlich jemanden, der die Philosophen und Philosophien gründlich studiert hat. Aber das Studium der Philosophie macht noch keinen Philosophischen Praktiker, auch wenn es natürlich lebendiges und konkretes Denken begünstigt. Es geht nicht darum, dem Gast philosophische Gedanken an den Kopf zu werfen, sondern er kann erwarten, das der Philosophische Praktiker seinerseits mit den Philosophen die Probleme, Fragen und Anliegen des Gastes zu verstehen in der Lage ist.

Philosoph ist nicht jemand, der sich mit Philosophischen Systemen oder der Philosophiegeschichte auskennt, sondern, der selbst denkt. Was ist ein Denker ? Schopenhauer sagt, es sind diejenigen, „welche unmittelbar im Buche der Welt gelesen haben.“ Und weiter heißt es bei ihm:“ Durchdenken kann man nur, was man weiß; daher man etwas lernen soll: aber man weiß auch nur, was man durchdacht hat.“ Der Philosoph soll also nicht nur etwas gelernt, sondern sich auch etwas gedacht, dem Leben nachgedacht haben. Die wesentlichsten Lebensprobleme sollen ihm selbst zum Problem geworden sein, damit er sich nur solcher Gedanken bedient, die er mit seiner ganzen Existenz rechtfertigen kann. Mit einem modernen Wort würde man sagen, er sollte authentisch sein, selbst für das, was er denkt einstehen.

Der Gast der Philosophischen Praxis bekommt es nicht mit einem Theoretiker zu tun, sondern mit einem Menschen, der weiß und erkannt hat, das die Philosophie dem Leben zu dienen hat.

Der Philosophische Praktiker ist offen für die verschiedensten Sichtweisen und Lebensorientierungen, weil er im abweichenden und ungewöhnlichem Denken und Empfinden heimisch ist. Er ist ein freier Geist, der offen bleibt für Widersprüche und Konflikte. Philosophieren heißt für ihn, das Denken in Bewegung setzen, deuten, verstehen, klären, aufklären, zur Einsicht verhelfen.

Seine Vernünftigkeit ist die des „denkenden Herzens“ (Hegel).